Ein ausländischer Kollege, der neu in der Firma war, fragte mich. „Alle sagen beim Feierabend '수고하셨습니다', aber bedeutet das nicht ‚Sie hatten viel Mühe'? Warum ist das eine Grußformel?“ Wenn ich darüber nachdenke, hat er recht. Ich hatte es nämlich nie auch nur einmal seltsam gefunden. ## 수고 ist „die aufgewendete Mühe“ 수고 bezeichnet die Kraft und Mühe, die man in eine Arbeit steckt. „수고하셨습니다“ bedeutet also: „Ich weiß, welche Mühe Sie sich heute gemacht haben.“ In Korea ist es unter Menschen, die zusammen gearbeitet haben, eine wichtige Höflichkeit, den Wert dieser Mühe anzuerkennen. Deshalb kommt am Ende des Tages „수고하셨어요“ noch vor „Danke“. ## Wer legt den Wert fest? Hier steckt eine versteckte Regel dahinter. Wer den Wert der Mühe eines anderen einschätzt, ist normalerweise der Höhergestellte. Wenn man „수고하세요“ zu einem Vorgesetzten sagt, kann es deshalb klingen, als würde ein Untergebener Noten vergeben, oder als würde man „Arbeiten Sie weiter“ befehlen. Deshalb sind viele bei Vorgesetzten im Job oder bei Älteren vorsichtig. Allerdings ist es üblich, beim Verlassen eines Geschäfts „수고하세요“ zu sagen. Jeder denkt da anders, also merken Sie sich einfach so viel. ## So sind Sie auf der sicheren Seite Wenn man vor den anderen Feierabend macht, sagt man „먼저 들어가 보겠습니다“ (ich gehe dann zuerst). Wenn der Vorgesetzte geht, ist „안녕히 가세요, 내일 뵙겠습니다“ (Auf Wiedersehen, bis morgen) eine gute Wahl. Schon ein einzelnes Wort hat seinen Wert, und wenn man das falsche wählt, kommt die eigene Wertschätzung vielleicht weniger gut an. Wenn man unsicher ist, ist es am besten, mit einem Lächeln zu grüßen.